Eine kleine Zeitreise durch meine fotografische Ära


Lang, lang ist es her, da bekam ich von meiner Oma zu Weihnachten meinen ersten Fotoapparat, eine "Agfa Isola II" geschenkt (Kaufpreis nach Recherche ca. 39,50 DM, und das war für die damalige Zeit viel Geld).

Ich war stolz wie Bolle, wenn ich auf den sonntäglichen Spaziergängen mit meinen Eltern dieses gute Stück an meiner Seite trug und ab und zu ein Foto machen konnte. Aus finanziellen Gründen wurde zunächst vom Vater erläutert, dass mir mit dem eingelegten Film nur zwölf Aufnahmen zur Verfügung standen, und ich die Motive sorgsam aussuchen möge, schließlich kamen ja noch die Kosten für das Entwickeln und die Abzüge auf meine Eltern zu, denn Taschengeld bekam ich noch nicht. Irgendwann kam es wie es kommen musste, und das gute Stück landete wegen nachlassendem Interesse in einem Schrank.

Jahre später fiel mir mein alter Fotoapparat durch einen Zufall wieder in die Hände, und die Erinnerungen an die ersten Aufnahmen waren sofort wieder präsent. Aber mit solch einem "Schätzchen" wollte ich mich nicht mehr begnügen, es musste etwas Neueres her.

 

 

Die Überbrückungsphase


In den nachfolgenden Monaten studierte ich ausgiebig die einschlägige Fachliteratur der verschiedenen Kamerahersteller, um über deren Angebote im Bilde zu sein.

Damit in einem meiner  Fotoalben wenigstens ein paar Erinnerungsbilder an einen Lehrlingsurlaub zu sehen sind, durfte ich mir sogar ausnahmsweise einmal den Apparat meines Vaters ausleihen. Eine Kodak Retina 1b.

Aus Angst, dass dem guten Stück etwas zustoßen könnte, wurde der Auslöser auch nur etwa zehnmal von mir in diesen Ferien betätigt. Eine absolut unbefriedigende Situation für mich und meinem Interesse an der Fotografie.

Irgendwann habe ich mir die Retina dann noch ein paar mal ausgeliehen, denn der Zentralverschluss dieser Kamera kam mir in der schnellen Sportfotografie bei Blitzlichteinsatz sehr zugute.

 

Auf zu neuen Ufern


Drei Jahre später fuhr ich dann mit der frisch erworbenen Fahrerlaubnis und dem eigenen VW Käfer nach Dortmund und erwarb in einem bekannten Fotogeschäft meine erste, gebrauchte Spiegelreflexkamera Marke "Edixa Mat Reflex C" mit Wechselsucher und austauschbaren Objektiven. Von nun an standen mir pro "Ladung" bis zu 36 Aufnahmen auf Schwarz/Weiß- , Farb- oder Diafilmen zur Verfügung, was für meine Fotoexperimentierfreudigkeit zusätzlichen Raum schuf. Außerdem wurde ich durch einen damaligen Arbeitskollegen in die Geheimnisse der Dunkelkammer-Technik (Filmentwicklung mit Neofin und Jobo Entwicklungsdose bzw. Bildvergrößerungen mit Eukobrom) eingeweiht. Durch einen glücklichen Umstand konnte ich mir in naher Zukunft mit einer weiteren Person sogar eine eigene Dunkelkammer teilen.

Ein anderer Kollege fragte mich eines Tages, ob ich nicht in einen Fotoclub eintreten möchte.Er selbst sei dort schon lange aktives Mitglied. Gesagt, getan. In diesem Verein bekam ich den besten Lehrmeister, den man sich für Motivblick und Vergrößerungstechnik bis 50x60 cm vorstellen kann. Einen schon damals bekannten Hagener Amateurfotografen, von dem jeder Profi auch heute mit seinen 90 Jahren noch etwas lernen kann und dem ich viel verdanke, Willy Moll.

 

 

Ab jetzt per TTL-Messung


So ging meine fotografische Entwicklung stets weiter, denn dieser Verein nahm auch an regelmäßigen Fotoausstellungen innerhalb des Verbandes für Amateurfotografen teil. Mit den gestiegenen Anforderungen an mich selbst reifte der Entschluss in mir, für die Zukunft meine Bilder mit besseren Kamerasystemen der Firma Minolta (SRT 303, XE-1, XG-2 und X-500) zu machen, denn die TTL-Lichtmessung (durch das Objektiv, Through The Lens) hatte mittlerweile Einzug in die Fotografie gehalten. Auch die Palette der Wechselobjektive wurde kräftig erhöht und diverse Farbfilter, Blitzgeräte sowie ein Balgengerät zur Komplettierung der Ausrüstung angeschafft.

 

 

Das Mittelformat kommt hinzu


Zu den Kleinbildapparaten gesellten sich etwas später noch eine

6x6 Rolleiflex f 3,5 Sucher- bzw. 6x6 Rollei SLX Spiegelreflexkamera nebst einem sehr guten Handbelichtungsmesser der Firma Gossen.

 

 

 

 

 

 

 

Es wird international


Durch die Teilnahme an den nationalen Fotowettbewerben des Clubs wurde mein Interesse geweckt, mich auch an internationalen Salons zu beteiligen und somit zu erkunden, wo man eigentlich im Vergleich zu einem größeren Spektrum von diversen Fotogrößen mit der eigenen Leistung stand.

Die bekanntesten Ausstellungen, an denen ich teilgenommen habe, befanden sich in Como, Hongkong, Durban, Kapstadt, East London, Adelaide, Kowloon, Novisad, Singapur, Portugal, Pretoria, Norfolk, Belgien, Luxemburg und Herrsching, um nur einige zu nennen. Ich erinnere mich auch heute noch gerne an diese Zeit zurück, wo voller Spannung auf eine Nachricht der jeweiligen Ausrichter gewartet wurde, dass wenigstens eines meiner vier eingereichten Bilder (max. Anzahl pro Teilnehmer) alle Hürden der verschiedenen Jurorendurchläufe bis zur Annahme geschafft hat (gesamter Bildeingang bei sehr guten Salons bis zu 10.000 Stück, wobei zur Präsentation aber nur zwischen 50 und 150 Exemplare gelangen).

 

 

Ein letzter Wechsel


In den nächsten zwei Jahren stand ich erneut vor der Entscheidung, meine Ausrüstung auf Grund von Veränderungen umzustellen. Die wichtigsten Kriterien an eine neue Kamera waren ein austauschbares Sucher- und Einstellscheibensystem mit präziser 100% Abbildungseigenschaft für millimetergenaue Auftragsfotos, bzw. ein extrem schneller Filmtransport für die Bilder in der Sportpresse. Ich wechselte ein letztes Mal meine komplette Ausrüstung und erwarb zwei Profimodelle der Firma Nikon, Modell F-3 mit Motordrive und Datenrückwand, welche als Einzigste die von mir benötigten Aspekte der damaligen Anbieter besaß. Heute kann ich sagen, dass von allen analogen Kameramodellen, mit denen ich jemals fotografiert habe, die Nikon F-3 und die Minolta XE-1 die Besten waren.

Besonders gefreut habe ich mich einige Zeit später über die Einladung vom Fotoclub Mainleus, der sich unter anderem zur Aufgabe gemacht hat, jährlich die 50 international erfolgreichsten deutschen Amateurfotografen zu einem eigenen Wettbewerb herauszufordern, bzw. vom Dachverband FIAP,  welcher weltweit alle nationalen Fotoverbände unter sich vereint, ausgezeichnet zu werden.

In den folgenden Jahren wurde es zunehmend ruhiger um das Hobby. Vermutlich lag es an der Anschaffung einer Videokamera bzw. der Unlust, mit immer schwerer werdenden Fototaschen auf Motivsuche zu gehen, zumal die Ära des Fotoclubdaseins bereits einige Zeit hinter mir lag.

 

 

Spiegelreflex mit AF


Dem steigenden Fortschritt zollte ich aber dennoch einmal Tribut und erwarb tatsächlich noch eine Nikon F-70 mit Autofokussystem, mit welcher ich mich aber nie so recht angefreundet habe.

 

 

 

 

 

 

Eine neue Epoche naht


Die o.g. Ruhe führte so ganz nebenbei auch dazu, dass die sonst so gepflegten Fotoalben mangels Bildernachschub ins Defizit gerieten. Was aber tun?

Hier überraschte mich meine Frau eines Tages mit einem kleinen Geschenk, welches ich niemals haben wollte, eine "HP Photosmart Kompakt Digitalkamera". Recht misstrauisch und als Fotoamateur der alten Schule versuchte ich mich nur zögernd an meinem neuen Besitztum. Das anfänglich verteufelte "Digizeug" wurde aber schon bald mein ständiger Begleiter und die Begrenzung von Bildern auf Filmen gehörten nebst Beachtung des Verwendbarkeitsdatums bzw. der Filmlagerungstemperatur nun auch der Vergangenheit an.

 

 

Einfach genial


Nach einer längeren Eingewöhnungsphase mit der Bildbearbeitung am PC hatte es mich aber wieder voll erwischt. Was waren das plötzlich für Verbesserungen und Möglichkeiten? Aus einem Farbfoto wurde mit wenigen Klicks ein schickes Schwarz/Weiß-Bild.

Von der Retuschierung damaliger Vergrößerungen, welche teilweise mit unschönen weißen Fusselflecken versehen waren, die durch unsauberes Arbeiten in der Dunkelkammer entstanden und nur mit einem haarfeinen Pinsel nebst Eiweißlasurfarbe abgedeckt werden mussten, was wiederum sehr viel Zeit und handwerkliches Geschick benötigte, ganz zu schweigen.

Ebenso ist die Brauntonung einer alten Fotoreproduktion von Omas Hochzeitsbild, welche damals nur mit einer Unmenge an teils giftigen Chemikalien möglich war, heute recht unproblematisch.

Ich kann mich noch sehr genau erinnern, wie lange es in dem dunklen Raum gedauert hat, um ein Bild im Tontrennungsverfahren aufzubessern oder zu verfremden, geschweige denn eine Farbsolarisation herzustellen. Auch hier und heute: reine Klicksache und das Ergebnis ist sofort ohne Chemie sichtbar.

 

 

 

 

 

 

 

Etwas aufgerüstet


Dem Leser mag an dieser Stelle sicher schon klar sein, dass nach der Beherrschung der etwas einfacheren HP-Kamera ein besseres Kompaktmodell mit mehr Möglichkeiten (und natürlich von der Firma Nikon) in den Bestand aufzunehmen war. Es wurde eine Coolpix 4800, mit der ich auch heute noch wegen der geringen Ausmaße/Gewicht/guter Zoombereich im Urlaub gerne fotografiere.

 

 

 

 

Das vorläufige Ende


Aber wie kann es anders sein....! Man(n) stößt auch hier an Grenzen, die es zu überwinden gilt.

Folgerichtig erwarb ich vor einigen Jahren meinen bislang letzten Fotoapparat. Eine digitale Spiegelreflexkamera D-80 (was für ein Hersteller wohl?), mit welcher ich ebenfalls 100%ig zufrieden bin, und bei der alle meine alten, sehr lichtstarken Objektive - wenn auch mit Einschränkungen - kompatibel sind. Obwohl mein Finger heute nicht mehr so häufig auf den Auslöser drückt, wie vor einigen Jahren, habe ich mächtig viel Freude an der "Digiflex", zumal sie oft bei meinem (unserem) anderen Hobby zum Einsatz kommt und sehr gute Ergebnisse liefert (wenn denn die Person hinter dem Sucher alles richtig macht und ihr keine Tupperdosen (Geocaching) auf den Kopf fallen).

Mit Ausblick auf die Zukunft bin ich gespannt, was mir die Fotografie noch bringen wird. Eventuell liegt ja irgendwann mein derzeitiger Traum unterm Weihnachtsbaum......

eine "Nikon D5" ! Das wär was.

 

Selbst der Kamerahersteller Canon macht mit dem Namensschriftzug auf ihren Modellen Werbung für Nikon !

Canon = Cönner arbeiten nie ohne nikon

 

 

Zum guten Schluss


Ich erfreue mich stets beim Blick in die beleuchtete Vitrine an meinen noch funktionierenden "Schätzchen", mit denen ich immer gerne gearbeitet habe und diese auch heute nach wie vor bedienen kann. Dann kommt schon mal etwas Wehmut auf, wenn ich daran denke, dass die damals noch per Hand scharf gestellten Schnappschüsse alle echt waren, was bei den derzeitigen Möglichkeiten am PC nicht unbedingt mehr der Fall ist.

Heute geht alles einfacher und schneller, und das weiß ich auch zu schätzen,

aber . . . . . . . . . . . schön war es dennoch ! ! ! !

 

Das obige Foto zeigt meine Certotrop Compur 9x12 Plattenkamera, bei der die Optik horizotal und vertikal verstellt werden kann. Ein wahres Gedicht. Fast so gut wie eine Linhof oder Plaubel.

 

 

PS: In meinem Keller liegen sogar noch eine Jobo-Tageslicht- und eine Dunkelkammer-Entwicklungsdose.

Für alle Fälle.

 

 


 

 

01.09.2015


In der Untergruppe "Bildergalerie" habe ich einige Fotos eingestellt, von denen ich glaube, dass sie mir ganz gut gelungen sind.